50 Jahre - Feuerwehr-Haintchen

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50 Jahre

Geschichte



50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Haintchen

Jubiläum vom 10. bis 13. Juni 1982




Es fällt nicht leicht, unserer heutigen Generation die Entstehung und den Aufbau einer Feuerwehr zu schildern, zumal wohl in den seltensten Fällen früher Aufzeichnungen oder dergleichen gemacht wurden. - Die meisten Angaben sind mündliche Überlieferungen und diese verdanken wir unseren alten Feuerwehrleuten, die zum Teil zu den Gründern gehören.

Ein Rückblick auf frühere Zeiten zeigt uns, dass man den Begriff "Freiwillige Feuerwehr" noch in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts nicht kannte. Die Männer der Gemeinde waren zu einem Selbstschutz zusammengestellt, an deren Spitze der Bürgermeister stand. Die Bürger wurden zur Brandbekämpfung eingesetzt und damit im Ernstfalle der Einsatz von Leben und Gesundheit erfolgreich verlaufen konnte, waren einzelne Personen namentlich benannt, bestimmte Aufgaben wahrzunehmen. Selbst die Frauen des Dorfes wurden im Notfall eingesetzt und mussten durch Kettenbildung den Wassertransport mit Eimern übernehmen.

Um bei größeren Bränden Hilfe zu erhalten, sicherte man sich die Verstärkung durch Nachbarwehren aus Eisenbach, Hasselbach, Emmershausen, Münster und Wolfenhausen zu. Somit ist die auch heute noch praktizierte Nachbarschaftshilfe, die wohl einzig verbleibende Einrichtung damaliger Zeiten.

Brandbekämpfung mit Eimern und Kübeln sind verständlicherweise sehr umständlich und schwer. Meistens musste man sich auf das Einreißen der Brandstätte beschränken. Dabei hatten die Feuerhaken der Wehr besondere Anwendungsmöglichkeiten und Aufgaben und taten bei der Eindämmung des Feuers sehr gute Dienste. Alle benötigten Geräte, auch die Brandleitern, wurden im so genannten "Leiterhaus" am "Freien Platz" in der Dorfmitte aufbewahrt.

Um den Brandschutz zu verbessern, erwarb die Gemeinde im Jahre 1890 eine von der Firma Roth, Idstein, gebaute Feuerwehrspritze mit 2 Zylindern, 1,5 m³ Volumen, die von 6 Mann an den Pumpen bedient werden musste. Mit dieser Spritze konnte man bis in die Höhe des "Langhauses" der Pfarrkirche Wasser spritzen, eine für damalige Verhältnisse beachtliche Höhe. Der Wassertransport mit ca. 50 Meter Schläuchen wurde zwar erleichtert, aber die Heranschaffung aus den Wasserzapfstellen und Brunnen des Dorfes war dennoch nicht so einfach. Der Born an der Ecke Hessenstrasse/Mittelstrasse, in der Gartenstrasse, im Unterdorf und die Staustellen des Eisenbachs waren auch für den Brandschutz von großer Wichtigkeit.

Um auch mit der neuen Feuerwehrspritze so schnell wie möglich an den Brandherd kommen zu können, wurde alljährlich ein Bauer mit 2 Pferden für den Transport verpflichtet.

Zum Glück brauchten die Haintchener Wehr damals nur bei Großbränden in Hasselbach und Wolfenhausen zum Einsatz ausrücken. Haintchen selbst blieb von größeren Brandkatastrophen verschont und man erinnert sich noch gut an den letzten Einsatz der damaligen Wehr im Jahr 1926, wo man den Scheunenbrand bei Wilhelm Hafenegger (früher Josef Nagelbach) bekämpfte. Dass keine Menschenleben und kein Vieh zu beklagen war, verdankte man dem schnellen Eingreifen der Wehr.

Als die Auflösung des Kreises Usingen, zu dem Haintchen gehörte, bekannt wurde und die beabsichtigte Einführung einer Pflichtfeuerwehr zur Sprache kam, machte man sich über den Brandschutz in Haintchen große Sorgen. Bei dem Schmiedemeister Karl Nocker wurde darüber gesprochen und in dessen Schmiede der Plan gefasst eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. In Wilhelm Stickel fand sich ein weiterer eifriger Anhänger für diese Idee und so wurde der Versuch gemacht, durch Bekanntmachung durch die Ortsschelle Freunde für diese gute Sache zu gewinnen. Die erste Versammlung im Gasthaus Pabst zeigte aber leider keine große Resonanz, und da sich nicht genügend Leute eingefunden hatten, kam die  beabsichtigte Gründung zunächst noch nicht zustande. Erst die persönliche Initiative und die Webung Karl Nockers von Haus zu Haus führte zu einem größeren Interesse und zum Erfolg. Im Frühjahr 1932 konnte man die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Haintchen verwirklichen.

27 Männer wollten sich aktiv in den Dienst der Nächsten stellen. - Die Namen dieser Gründer sind: Karl Nocker, Wilhelm Stickel, Wilhelm Hartmann, Hermann Wiegand, Heinrich Vollmer, Wilhelm Müller, Johann Kremer IV, Johann Mollier, Wilhelm Hundler, Franz Bördner, Wilhelm Ruckes, Franz Dahlem, Peter Hohl, Nikolaus Roth, Hermann Ort, Franz Stath, Peter Hartmann, Karl Liesering, Josef Gerlach, Franz Hundler, Franz Weimer.  Vorgenannte Leute sind alle verstorben, die noch lebenden Gründer heißen: Josef Hohl, Franz Bös, Josef Laubach, Anton Hartmann, Reinhard Stath, Anton Roth, und Wilhelm Laubach. Bei der Gründungsversammlung wählte man Karl Nocker zum Kommandanten, Franz Dahlem und Peter Hohl zu Stellvertretern. Als Kennzeichnung beim Einsatz und den Übungen trugen die Feuerwehrleute Armbinden, bis dann 1934 die Gemeinde für sie Uniformen anschaffte. Zeugwart wurde Schumachermeister und Küster Wilhelm Hundler.

da noch keine Sirenen vorhanden waren, hatte man ein besonderes Alarmsystem. Die Wehrleute Josef Hohl, Karl Liesering und Johann Mollier ernannte man zu "Hornisten" und von diesen wurde in den Strassen des Ober- und Unterdorfs auf Hörnern (Trompeten) zum Einsatz geblasen. Verabredete und bekannte Signale ließen erkennen, ob es sich um einen Notfall oder um einen Übung handelte.

Durch den Bau des Westwalls und des sich abzeichnenden Kriegsbeginns wurde die Wehr in ihrer Besetzung etwas verändert. So wurde der bisherige Stellvertreter Franz Dahlem zum Ortsbrandmeister, da Kommandant Karl Nocker auswärts arbeiten musste und nicht zur Verfügung stand. Stützpunktleiter wurde Peter Kalteier, später Peter Wiegand, der lange Zeit Bürgermeister des Dorfes war. Während der Kriegszeit wurde das Dorf von Brand- und sonstigen Katastrophen verschont und man kann von Glück sagen, dass keine Häuser und Gebäude, auch nicht durch direkte Kriegseinwirkung beschädigt wurden. Einige verirrte Bomben richteten in der Gemarkung lediglich etwas Flurschaden an. Außer einem Brandeinsatz in Münster, beim Waldbrand im Laubuswald und dem Brand an Ostern 1934 im nahe gelegenen Luhwald sind keine besonderen Vorkommnisse zu berichten. Eine eingeteilte Brandwache auf dem Suterkopf, von dessen hohen Turm man weit das Land beobachten konnte, sorgte für die Sicherheit des lebenswichtigen Gutes in Feld und Wald.

Wer sich an die vergangene Zeit zurückerinnern kann, wird ermessen, warum dieser Brandschutz für die Bevölkerung so wichtig war. Konnten sich doch die Bewohner des Dorfes durch ihre Arbeit in Forst- und Landwirtschaft vor Not und Hunger bewahren.

Nach Kriegsende im Juni 1945 wurde Franz Dahlem von den Besatzungsmächten als Kommandant der Wehr abgesetzt und Peter Hohl als Ortsbrandmeister ernannt. Dieser leitete die Wehr, bis Karl Nocker wieder zu Hause und nach erlittenem Beinbruch wieder einsatzfähig war. Seit dieser Zeit verstärkte sich die Freiwillige Feuerwehr Haintchen ständig und durch neue Mitglieder und Helfer wuchs sie zu einer stets einsatzbereiten Einheit heran.

Durch den Bau des Feuerlöschbeckens am Ortsausgang des Dorfes, das als Wasserreservoir und als Schwimmbad dient, hat die Gemeinde ihrer Feuerwehr und sich selbst einen guten Dienst erwiesen. Zum Glück brauchte man die Wasserreserven in den letzten Jahren nicht um größere Brände zu löschen.

Ihre Einsatz- und Hilfsbereitschaft konnte unsere Wehr in folgenden Einsätzen unter Beweis stellen: Scheunenbrände 1969 und 1970 in Haintchen, Feldscheunenbrände, Flächenbrände in der Gemarkung Haintchen, verschiedene technische Hilfeleistungen und in jüngster Zeit (15.8.81) Brand des Behelfsheims, sowie ein Wohnhausbrand am 2.5.82 der zum Glück schnell gelöscht werden konnte, ferner Nachbarschaftshilfen und Einsätze in Münster, Eisenbach, Wolfenhausen. Bei der Hochwasserkatastrophe in Niederselters leisteten unsere Feuerwehrleute nachweislich beachtliche Hilfen.

Die Unberechenbarkeit des "Roten Hahn" und die Unentbehrlichkeit einer guten Feuerwehr dürften allgemein bekannt sein. Mit Zunahme der Bevölkerung und der Technik wurden auch die Ansprüche auf mehr Sicherheit größer und die Aufgaben der Wehr vielfältiger. So waren im laufe der Zeit die Räumlichkeiten hinsichtlich der Unterbringung von Fahrzeugen und Geräte ungenügend geworden. Ein Antrag mit ausführlicher Begründung auf Erweiterung des Gerätehauses wurde am 10.1.1971 von dem leider allzu früh verstorbenen damaligen Wehrführer Helmut Jäger, der den Gründungskommandanten Karl Nocker im Jahr 1963 abgelöst hatte, an die damals noch selbstständige Gemeinde Haintchen gestellt.

Die kosten für den Erweiterungsbau im Vergleich zu einem Neubau am vorhandenen und geeignetem Platz (ehemaliger Dreschplatz), entschied man sich in weiser Voraussicht für einen Neubau.

Mit sehr viel Eigenhilfe, persönliche initiative einzelner Mitglieder und Hilfen konnte die Gemeinde Haintchen am 2. November 1973 die Grundsteinlegung vornehmen.

Zur Einweihung des neuen Gerätehauses am 17. August 1974 lud jedoch die inzwischen durch den Gesetzgeber gebildete Gemeinde Selters, die aus den 4 Ortsteilen Niederselters, Eisenbach, Münster und Haintchen gebildet wurde. Nach dem Tod des Wehrführers Helmut Jäger übernahm Herbert Stath dieses Amt. Am 16.1.1981 wurde als dessen Nachfolger Ewald Stath gewählt.

Heute verfügt unsere Wehr über ein modernes Löschfahrzeug vom Typ LF 8/8 mit Funkanlage. Eventuell notwendiger Sirenenalarm kann über Fernsteuerung oder an den örtlichen Feuermeldern ausgelöst werden.

Wie wichtig die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren von den Verantwortlichen in den Gemeindegremien genommen wird, kann man daraus erkennen, dass sie in ihnen ihre vollste Unterstützung zukommen lassen und viele Mitglieder der Gemeindegremien auch selbst Mitglied in den Freiwilligen Feuerwehren sind. Der Stand unserer Wehr in Bezug auf Ausrüstung und Ausbildungsstand lässt den Schluss zu, dass in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet und neben den notwendigen Übungen und Einsatzbereitschaft auch die Geselligkeit und Mitmenschlichkeit gepflegt wurde.

Der Vergleich zur Einwohnerzahl des Ortsteils Haintchen von 844 und der Mitgliederzahl der Freiwilligen Feuerwehr Haintchen von 217, zuzüglich der 1973 gegründeten Jugendfeuerwehr, die mit 21 Jugendlichen eine beachtliche Stärke aufweist, lässt erkennen, dass mit dieser Gründung wichtige Nachwuchspflege betrieben worden ist.

Wenn der Verfasser dieser Niederschrift an dieser Stelle  die Bitte ausspricht, den Freiwilligen Feuerwehren beizutreten oder sie sonst zu unterstützen, so deshalb, weil jeder denkende Mensch von der Notwendigkeit und Nützlichkeit einer solchen Einrichtung überzeugt sein sollte,

Mögen sich die Leser dieser Zeilen diesen Gedanken anschließen, damit der gute Geist, die gute Kameradschaft in unseren Feuerwehren auch in der heutigen Zeit weiterhin von dem Leitgedanken der Feuerwehrleute geprägt wird, den jeder kennt:

"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr"

1982 Alois Vollmer



Feuerwehr Haintchen im Jubeljahr 1982





Unsere Jugendfeuerwehr


Auf Initiative unseres verstorbenen Wehrführers Helmut Jäger, fanden sich am 14.11.1973 folgende 14 Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren im Gasthaus Pabst ein um eine Jugendfeuerwehr zu gründen: Stephan Hartmann, Michael Glassner, Kurt Wiegand, Klaus Ulrich Schmidt, Andreas Knapp, Arno Wiesner, Karl-Norbert Hartmann, Detlef Stickel, Andreas Molsberger, Armin Wiegand, Klaus Scheulen, Albrecht Liesering, Jürgen Baiem, Markus Spitz. Mit der Leitung und Betreuung wurde Joachim Jung beauftragt. Seit dieser Gründungsversammlung entwickelte sich die Jugendfeuerwehr Haintchen zu einem festen Bestandteil unserer Wehr. Durch die Bereitschaft und das Vermögen mit den Jugendlichen umzugehen, hat es der Jugendfeuerwehrwart Joachim Jung bis zum heutigen Tage verstanden, Nachwuchskräfte für die aktive Abteilung unserer Wehr heranzubilden.

Nachfolgend sei in kurzen Darstellungen aufgezeichnet, welche Aktivitäten unsere Jugendlichen entwickelt haben. Waren es 1973 erst 15 Jugendliche, konnte sich die Stärke 1974 auf 19 Jugendfeuerwehrmänner erhöhen. Die Teilnahme an den alljährlich stattfindenden Wettkämpfen der Jugendfeuerwehren des Kreises, macht den jungen Männern viel Spaß und es zeigt sich eine ständige Verbesserung des Leistungsvermögens. Als Lohn kann man mit Stolz verschiedene gewonnene Wanderpokale vorzeigen.

Außer Spiel und Sport ist auch die feuerwehrtechnische Ausbildung ein wichtiger Bestandteil im Unterrichtsplan der Jugendfeuerwehr, dies zeigt sich auch darin, dass bis heute 14 Jugendfeuerwehrmänner in die aktive Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Haintchen übernommen werden konnten.

Auch auf dem sozialen gebiet ist die Jugendfeuerwehr nicht untätig, denn seit 1974 verbindet sie eine enge Freundschaft mit dem Kinderheim in Dausenau. Die Jugendfeuerwehr sammelt alljährlich in der Weihnachtszeit, Kleider und Spielsachen sowie Geldspenden, die von den Bürgern aus Haintchen gut unterstützt werden. Auf die gemeinsame Adventsfeier freuen sich die Kinder des Kinderheims und die Jugendfeuerwehrmänner jedes Jahr aufs Neue.

Zur Zeit besteht die Jugendfeuerwehr Haintchen aus 21 Jugendfeuerwehrmännern. Wer Interesse an den Aktivitäten der Jugendfeuerwehr hat und das 12te Lebensjahr erreicht hat, kann an den wöchentlich stattfindenden Gruppenstunden teilnehmen.



Die Jugendfeuerwehr 1982




Das neue LF8



Haintchen, aus der Geschichte eines Dorfes


Im Nordhang des waldreichen "Taunus" liegt das Dorf Haintchen mit z. Zt. 844 Einwohnern, ca. 50km nördlich von Frankfurt am Main und ca. 25km südlich von Limburg an der Lahn.

In einer Höhenlage von 300m bis 462m über dem Meeresspiegel liegt es in einer gemäßigten Klimazone, dass im wesentlichen vom Atlantik und nur wenig östlicher Festlandsluft beeinflusst wird.

Zwischen dem "Goldenen Grund", dem Lahntal und dem Weiltal findet der Festbesucher einen berg- und Waldumrahmten Ort, den man früher "Hayn", "Haynchen", "Haingen" nannte und der heute "Haintchen" heißt.

Vielleicht leitete man diesen Namen in alten Zeiten dem Vorhandensein vieler Heideflächen und mächtigen Eichen ab. ("Hain" ist eine veraltete Bezeichnung für gehegten Wald.)

Das Dorf hat höchstwahrscheinlich bereits im Spätmittelalter existiert und hatte in dieser Zeit sogar ein eigenes Gericht. Die Dörfer Frohndorf, Wilhelmshain, Bruchhausen und Oberhain lagen in der nähe des Ortes, überstanden aber den 30jährigen Krieg nicht.

Aus dem Wiesbadener Archiv ist zu entnehmen, dass  die fürchterlichen Kriege im 17. Jahrhundert der Bevölkerung schweren Schaden zufügten. Im Jahr 1620 verbreitete das spanisch-wallonische Heer unter Graf Spinola in Haintchen Angst und Schrecken. Auch Marschall Tilly hatte seine Lager in unserer Gegend aufgeschlagen. Unmengen Geld, Lebensmittel und Futter für die Pferde mussten die Leute damals abgeben. Als der kaiserliche Feldherr Wallenstein 1626 in unsere Gegend kam, hatten Pest, Hunger und Missernten die Bevölkerungszahl von vor dem 30jährigen Krieg (40 Haushalte, ungefähr 240 Einwohner) stark zusammenschrumpfen lassen. Als im Jahr 1648 endlich Friede geschlossen wurde, lebten nur noch 16 Leute in unserem Dorf.

Lange Jahre hatten die Bewohner Haintchens keinen eigenen Pfarrer, sie wurden kirchlich von Eisenbach, Hasselbach und Niederselters mitbetreut. Im Jahre 1650 bekamen die Gläubigen zusammen mit Hasselbach einen Pfarrer.

In der Zeit de 18. Jahrhunderts erlebte unser Dorf einen gewaltigen Aufschwung. Es herrschte ein außerordentlich starker Fuhrverkehr. Ins ganze Hessenland fuhren die mit Krügen des kohlesauren Selterswasser beladenen Pferdewagen. Die Abfuhr der Eisen- und Silbererze aus dem bei Haintchen gelegenen Gruben machten die alte Hessenstrasse zu einem wichtigen Transportweg. Haintchen lag in dessen Mittelpunkt und erreichte in dieser Blütezeit die beachtliche Einwohnerzahl von 1700 Seelen.

In dieser Zeit des Aufschwungs wurde auch eine neue katholische Kirche im Barockstil erbaut und im Jahre 1750 vom Trierer Kurfürsten eingeweiht. Mit ihrem Himmelanstrebenden Turm, der in unserem Jubiläumsjahr 1982 leider wegen Renovierungsarbeiten nicht in voller Schönheit zu sehen ist, stellt die Kirche aus allen Blickrichtungen des Dorfes den herausragenden Mittelpunkt dar. Sind erst alle äußerlichen Bauschäden an der gesamten äußeren Kirchenfassade behoben und neue Farben aufgetragen, so kann man unser Gotteshaus von weiter Ferne als Schmuckstück unseres Dorfes betrachten, dessen Wirkung auf den Betrachter zur Abendzeit durch die effektvolle Ausstrahlung des Kirchturms noch wesentlich gesteigert wird. Die prächtige, unter Naturschutz stehende Linde trägt dazu bei den Anblick zu vervollständigen.

Im inneren unserer Kirche sind in den letzten Jahren enorme Renovierungen vorgenommen worden. Ist die wertvolle und seltene Köhler-Orgel im Jahr 1970 vollständig überholt worden, so wurde erst in jüngster Zeit mit dem Bau einer neuen Heizung, eines völlig neuem Aufgang zum Turm und Männerempore, mit der geschmackvollen und stilgerechten Ausschmückung und Bemalung, ferner durch die Restaurierung der Gemälde und Schnitzereien gewaltige Anstrengungen gemacht um die Schönheit unserer Kirche zu erhöhen und um der Nachwelt ein prächtiges Bauwerk zu erhalten.

Vor 1806 zerfiel der Ort Haintchen in zwei Teile: Das Oberdorf und das Unterdorf. Haintchen gehörte früher zum Kurfürstentum Trier, zum Teil zu Nassau-Oranien.

Bis zum 30.06.1974 war Haintchen eine selbstständige Gemeinde, die früher zeitweise zum Kreis Usingen zugeordnet war. Heute gehört es politisch zu der Großgemeinde Selters zusammen mit den Ortsteilen Niederselters, Eisenbach und Münster im Kreis Limburg-Weilburg.

Die z. Zt. 6739 Einwohner der vier Ortsteile haben mit dem Bürgermeister und 10 Gemeindevorstandsmitglieder, 31 Gemeindevertreter und je Ortsteil 5 Ortsbeiratsmitgliedern ihre Gemeindegremien gewählt.

Die Bewohner Haintchens erwerben ihren Lebensunterhalt meist als Arbeiter, von wenigen Angestellten und Beamten abgesehen, außerhalb des Dorfes in größeren Städten und Gemeinden der Umgebung. Einige kleinere und mittlere Gewerbebetriebe und Geschäfte sind ortsansässig. Bauern und Landwirte sind weniger als früher in der Agrarwirtschaft tätig, obwohl unsere Gemarkung landwirtschaftlich geprägt ist.

Gaststätten, Pensionen und Privatquartiere bemühen sich dem Gast und Fremden der hier in Haintchen Einkehr hält, einen erholsamen Aufenthalt zu bieten.

Die Straßenverbindung zwischen dem Ems- und dem Weiltal und die Motorisierung der Bevölkerung ermöglichen dem Erholungssuchenden aus dem Rheinland, dem Ruhrgebiet und dem Rhein-Main-Gebiet sich von der Gastfreundlichkeit der Einwohner Haintchens zu überzeugen. Wie gern man in noch sauberer und gesunden Luft zu leben wünscht, zeigt die ständig zunehmende Zahl der Neuzuziehenden, die in der Regel schnell Kontakt mit den einheimischen  Bewohnern Haintchens finden.

Wegen der Abgeschiedenheit des Ortes werden die Einwohner von Haintchen oft mit den Worten: "Sieh Haintchen und stirb" verulkt. Dieser meist humorvoll gemeinte Ausspruch zeigt, das man bei richtiger Ableitung und Deutung von dem des über 200 Jahre alten Lobspruches "Einmal Neapel sehen und dann sterben", nur positives aussagt.

Das seit 1980 als "Staatlich anerkannter Erholungsort" bekannte Dorf ist weit über seine Grenzen als "Idylle im Taunus" bekannt.

In seinem schönen Heimatdorf zu leben, es täglich zu sehen und einmal darin zu sterben, ist wohl der größte Wunsch eines jeden, der seine Heimat liebt.

1982 Alois Vollmer

 
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